Etablierte Lösungen

Boden

Einsatz spezieller Anbautechniken, die die Gesundheit des Bodens und seine Fähigkeit zur Speicherung von Kohlenstoff verbessern

Vorübergehendes Entfernen von Kohlenstoff

9 % des Fonds ausgegeben

Der Boden ist eine der wirkungsvollsten Lösungen der Natur zur Speicherung von Kohlenstoff. Pflanzen stellen Nahrung durch Photosynthese her, indem sie Sonnenlicht und Wasser nutzen, um Kohlendioxid in Zucker zu verwandeln. Eine Menge von diesem Zucker wandert von der Pflanze hinunter zu ihren Wurzeln, nährt alle Arten von organischen Substanzen im Boden und pumpt Kohlenstoff in die Erde. Doch die Menschen haben Mittel und Wege gefunden, um diesen natürlichen Prozess auszutricksen.

Zu Beginn der industriellen Revolution änderten die Bauern die Art und Weise, wie sie mit ihrem Land umgingen. Sie mussten ihre Erträge steigern, um die wachsende Nachfrage nach Nahrung zu befriedigen, da die Weltbevölkerung immer weiter zunahm. Also fingen sie an, Düngemittel und Pestizide zu benutzen und töteten damit versehentlich die Mikroorganismen im Boden ab. Sie fingen an, ihre Felder mit Maschinen zu bestellen. Doch dabei legten sie tiefliegenden Boden frei und ließen seinen Kohlenstoff in die Luft entweichen. Diese ungünstigen Nebenwirkungen wurden in Kauf genommen, um den Planeten zu ernähren – aber heute wissen wir es besser.

Seit der Einführung dieser landwirtschaftlichen Methoden ist mehr als die Hälfte des Kohlenstoffs aus dem Boden der Erde in die Atmosphäre abgegeben worden: etwa 80 Milliarden Tonnen.Fußnote 1 Die Landwirtschaft ist heute nach dem Energiesektor (zu dem Energieerzeugung und -transport gehören) der zweitgrößte Produzent von Treibhausgasemissionen.

Landwirtschaftliche Emissionen werden zum Beispiel durch die folgenden Dinge erzeugt: Nutzung fossiler Brennstoffe zum Antrieb von Geräten, Herstellung von Dünger und dessen Einbringung in den Boden und sogar durch das Aufstoßen von Kühen, was Methan freisetzt. Doch wie können wir das ändern?

Unser Boden könnte so viel mehr Kohlenstoff speichern, wenn wir ihn wieder in seinen natürlichen Zustand versetzen würden. Mit regenerativen Landwirtschaftstechniken können wir das erreichen. Wir müssten praktisch zu den alten Methoden der Landwirtschaft zurückkehren. Manchmal muss man einen Schritt zurück gehen, um voranzukommen.

Zu den effektivsten Methoden der regenerativen Landwirtschaft gehören:

  • Weniger pflügen: Der Boden sollte während des Pflanzens, Wachsens und Erntens so wenig wie möglich gestört werden.
    • Pflanzen als Abdeckung: Verwendung von Pflanzen, die den Boden nach der Ernte bedecken und schützen. Diese Pflanzen versorgen den Boden mit einer Vielzahl von Nährstoffen, reduzieren Unkraut und bieten Nahrung für Tiere.
    • Diversifizierung: In der Natur findet man keine Felder mit nur einer Pflanzenart. Je mehr Biodiversität man zulässt, desto besser wird die Gesundheit des Bodens und seine Widerstandsfähigkeit gegen Schädlinge und Krankheiten, und desto mehr organische Substanzen (und Kohlenstoff) gelangen in den Boden. Das lässt sich auch durch Rotation erreichen. Das bedeutet, dass man die Felder ruhen und sich regenerieren lässt, anstatt Saison für Saison die gleichen Pflanzen darauf anzubauen.
    • Weniger Zugaben: Es sollten so wenig Dünger, Pestizide und Herbizide wie möglich verwendet werden. Jedes zusätzliche Prozent Kohlenstoff, das im Boden gespeichert wird, wird als Dünger im Wert von 300–600 USD betrachtet.Fußnote 2 Wenn der Boden gesünder ist, braucht man weniger Chemikalien und kann trotzdem die Ernteerträge steigern.
    • Nutztiere: Die Hufe der Tiere verdichten den Boden auf sanfte Weise, indem sie Blätter und Stiele zu Mulch zerkleinern, der mehr organische Substanzen in die Erde bringt. Außerdem werden durch Mist nützliche Nährstoffe in den Boden eingebracht.

Diese Techniken haben so viele Vorteile. Damit kann der Boden:

  • mehr Kohlenstoff speichern
  • mehr Wasser aufnehmen
  • widerstandsfähiger gegen Trockenheit werden
  • mehr Nährstoffe einlagern
  • einheimische Arten schützen, die auf dem Land weiden
  • die Ernteerträge steigern

Erste Untersuchungen zeigen, dass ein Hektar unberührter Erde mehr als vier Tonnen Kohlenstoff speichern kann.Fußnote 3 Durch die Schaffung gesünderer Böden auf der ganzen Welt würde ein positiver Kreislauf entstehen, der gut für die Umwelt, die Landwirte und die Menschen (also uns alle) ist.

Seit der Einführung dieser landwirtschaftlichen Methoden ist mehr als die Hälfte des Kohlenstoffs im Boden der Erde in die Atmosphäre abgegeben worden

Unternehmen im Spotlight

Indigo Ag

Indigo Ag wurde mit dem Ziel gegründet, Landwirten bei der nachhaltigen Versorgung des Planeten zu helfen, indem sie das Potenzial der Natur nutzen. Das Unternehmen begann mit innovativen Lösungen mit Mikroorganismen, die sich positiv auf die Pflanzengesundheit auswirken, so wie Probiotika gut für die menschliche Darmflora sind.

Seit seiner Gründung hat Indigo Ag seine Geschäftsaktivitäten auf die gesamte landwirtschaftliche Lieferkette ausgeweitet. Im Jahr 2018 rief das Unternehmen seinen Getreidemarktplatz ins Leben, eine E-Commerce-Plattform, mit der die Art und Weise, wie Getreide verkauft wird, modernisiert wird. Normalerweise wird Getreide von verschiedenen Landwirten gemischt und in ein Silo gefüllt, unabhängig von der Herkunft oder dem Anbau. Landwirten fehlt so allerdings der Anreiz, qualitativ hochwertige, umweltfreundliche Erzeugnisse zu produzieren. Auf dem Marktplatz von Indigo Ag basiert die Bewertung und Preisgestaltung von Getreide darauf, wie es angebaut wurde. Die Qualität wird an Faktoren wie Protein-, Wasser- oder Kohlenstoffgehalt gemessen.

Im Jahr 2019 startete Indigo Ag ein Kohlenstoffprogramm. Dabei werden die Landwirte für die Menge an Kohlenstoff bezahlt, die sie in ihrem Boden gespeichert haben, oder für die Menge an Kohlenstoffemissionen, die sie vermieden haben. Dadurch entsteht eine neue Einkommensquelle für Landwirte, die oft unter schlechtem Wetter, Dürreperioden und Handelskriegen leiden.

Insgesamt haben die Landwirte aus dem Netzwerk von Indigo Ag mehr als 8 Millionen Hektar Land für dieses Programm angemeldet und sie erhalten eine Auszahlung pro verifiziertem Zertifikat. Dieser finanzielle Anreiz führt in Verbindung mit den Weiterbildungsressourcen von Indigo Ag über regenerative Landwirtschaft zu qualitativ hochwertigeren Pflanzen, verbesserter Bodengesundheit und einem höheren Kohlenstoffanteil im Boden.

Die Maßnahmen von Indigo Ag zur Regeneration des Bodens sind ein Schritt in Richtung des ehrgeizigen Ziels des Unternehmens, aus der Landwirtschaft als einem der Hauptverursacher des Klimawandels eine der führenden Lösungen zur Bekämpfung des Klimawandels zu machen. Unser Ziel bei Shopify ist es, diese ambitionierte Initiative durch unseren Kauf voranzutreiben und das Bewusstsein und die steigende Nachfrage nach Kohlenstoffspeicherung durch regenerative Landwirtschaft zu fördern.

"Die Landwirtschaft ist eine der letzten Branchen, in der der digitale Wandel noch aussteht. Mit unseren Marktplätzen soll sich das nun ändern."

– Ed Smith, VP of Carbon, Indigo Ag

Unternehmen im Spotlight

Soil Value Exchange

Soil Value Exchange ist der Ansicht, dass die Kohlenstoffspeicherung eine Dienstleistung ist, für die Landbesitzer bezahlt werden sollten. Das Unternehmen konzentriert sich darauf, die Weidemethoden der Tiere auf den Farmen in den USA zu revolutionieren. Über 40 % der Fläche der USA (mehr als 263 Millionen Hektar) ist für Vieh und die Pflanzen, die es ernähren, bestimmt. Es gibt also viel Platz, um dieses Ziel zu verwirklichen.

Die Methode des Unternehmens ist ziemlich simpel: Eine Simulation eines Bisons, der auf einer offenen Weide fressen würde. Flexible Elektrozäune um verschiedene Weiden gruppieren das Vieh auf den Feldern. Die Tiere weiden für kurze Zeit an einem Ort und ziehen dann weiter, damit sich das Land über einen längeren Zeitraum ausruhen und regenerieren kann. Auf diesen Feldern gedeihen Pflanzen, dort lassen sich Insekten nieder und es vermehren sich die Mikroorganismen im Boden, so dass der Boden eine höhere Menge CO₂ aufnehmen kann.

Würde man diese regenerativen Weidemethoden auf 50 % des US-Graslandes einsetzen, könnten diese Flächen nach Schätzungen von Soil Value Exchange jährlich bis zu 25 % aller CO₂-Emissionen in den USA aufnehmen. Das Unternehmen möchte bis 2025 mit 2.000 Farmen zusammenarbeiten und bis 2030 Zertifikate für 100 Millionen Tonnen Kohlenstoff vermitteln.

Shopify ist der erste Kunde von Soil Value Exchange. Es geht erst einmal darum, die Vorteile und die Nachfrage nach Kohlenstoffspeicherung im Graslandboden aufzuzeigen und Viehzüchter zu unterstützen, die sich für regenerative Weidepraktiken entscheiden.

"Wir betrachten die Speicherung von Kohlenstoff im Boden wie den Kartoffelanbau. Wenn man Kartoffeln anbaut, kann man sie verkaufen. Wenn dein Weideland der Atmosphäre Kohlendioxid entzieht und es im Boden speichert, kannst du die von dir bereitgestellte Dienstleistung zur Kohlenstoffspeicherung verkaufen."

– Jim Blackburn, Mitgründer von Soil Value Exchange

Unternehmen im Spotlight

Nori

Paul Gambill, der Gründer von Nori, bildete 2015 in Seattle eine Arbeitsgruppe, um das Gebiet der Kohlenstoffentfernung zu erforschen. Das Ziel von Carbon Removal Seattle war es, sich mit diesem Thema vertraut zu machen und sich mit Experten auf der ganzen Welt zu vernetzen. Die Mitglieder stellten schnell fest, dass es zwar Technologien zur Kohlenstoffentfernung gibt, sich aber nur sehr wenige Experten mit dem Thema beschäftigen und dass die Branche Schwierigkeiten mit der Skalierung und Kommerzialisierung dieser Technologien hat.

Paul nutzte sein Fachwissen als Ingenieur und gründete Nori, einen Marktplatz für die Entfernung von Kohlenstoff. 95 % der verkauften Kompensationen sind Einsparungen, bei denen CO₂ vermieden oder entfernt wird, was aber die Nettoemissionen nicht auf Null reduziert. Zertifikate für die Entfernung von Kohlenstoff neutralisieren die Emissionen vollständig. Nur 5 % der verkauften Kompensationen bieten derzeit eine Kohlenstoffentfernung.

Nori konzentriert sich im Moment auf bodenbasierte Zertifikate. Hierbei können sich Käufer, die ihre Emissionen neutralisieren möchten, mit Landwirten vernetzen. Seit dem Start des Pilotprogramms Ende 2019 wurden Landwirte auf dem Marktplatz von Nori für die Entfernung von etwa 14.000 Tonnen CO₂ bezahlt. Die Entfernung des Kohlenstoffs über den Boden ist nicht immer dauerhaft und der Kohlenstoff kann wieder in the Atmosphäre freigesetzt werden. Nori hat zwar mit Bodenprojekten begonnen, aber das Unternehmen plant, bald auch andere Zertifikate für die permanente Entfernung einzuführen.

Nori verfolgt ein ambitioniertes langfristiges Ziel: Das Unternehmen möchte eine API für Zahlungen zur Kohlenstoffentfernung entwickeln, mit denen Unternehmen ihren Kunden beim Checkout Services zur Kohlenstoffentfernung anbieten können. Paul ist der Meinung, dass Lösungen zur Kohlenstoffentfernung in alle Bereiche, in denen wir etwas kaufen, integriert werden sollten, damit solche Lösungen zur Normalität werden.

Oftmals müssen für den Kohlenstoffausgleich viele Beteiligte Hand in Hand arbeiten: Ein Landwirt stellt zum Beispiel Zertifikate aus und verkauft sie an einen Vermittler, der sie wiederum an einen Händler oder Käufer verkauft. Dadurch ist der Prozess anfällig für doppelte Zählungen, hohe Preisaufschläge und sogar Betrug. Mit der API von Nori wird das Kohlenstoffzertifikat nur einmal verkauft und steht danach nicht mehr zur Verfügung.

Nori möchte einen Beitrag dazu leisten, den Klimawandel umzukehren, und zwar mit dem Marktplatz des Unternehmens: Dort sollen Menschen auf der ganzen Welt die Möglichkeit haben, Geld mit der Entfernung von Milliarden Tonnen CO₂ aus der Atmosphäre zu verdienen. Wir freuen uns, wenn Unternehmer Probleme mit Hilfe von Technologien lösen, und unsere Investition soll ein Vertrauensbeweis in die Strategie von Nori sein.

"Wir betrachten Kohlenstoffemissionen als ein Abfallproblem. Wir werfen unseren Müll quasi seit Jahren auf die Straße, aber da wir ihn weder sehen noch riechen können, ignorieren wir ihn. Nori bietet im Grunde eine Lösung zur Abfallbeseitigung für unsere Atmosphäre."

– Paul Gambill, CEO von Nori